Ihr haltet die fünfte Ausgabe der Broschüren-Reihe Kunst, Spektakel & Revolution in den Händen. Während die bisherigen Ausgaben inhaltlich an die Themen-Blöcke der gleichnamigen Veranstaltungsreihe in Weimar gebunden waren, sind die Beiträge dieser Nummer unabhängig von den Weimarer Veranstaltungen entstanden. Für KSR#5 hat sich eine dreiköpfige Redaktionsgruppe gebildet, die 11 Texte von verschiedenen AutorInnen aus verschiedenen Städten (Berlin, Weimar, Würzburg, Freiburg, Hamburg, Halle und Kopenhagen) zusammengesammelt hat. Dabei sind diese Texte durchaus ebenfalls im Zusammenhang mit verschiedenen Veranstaltungen und dort geführten Diskussionen entstanden. Wer die Veranstaltungsreihe »Nackte Gewalt – Die Übermacht der Verhältnisse und die Sprachlosigkeit der Kritik« (nacktegewalt.blogsport.de) oder die Konferenz »Kritische Theorie – Eine Erinnerung an die Zukunft« (kritischetheorie.org), die beide 2013 in Berlin stattgefunden haben, mitverfolgt hat, wird einzelne Beiträge oder Themen wiedererkennen. Die Broschüre ist gegenüber diesen Veranstaltungen dennoch eine eigenständige Publikation. Sie bildet die genannten Veranstaltungen nicht ab und enthält weitere Texte, die in anderen Zusammenhängen und durch andere Impulse entstanden sind. Der Redaktionsgruppe war es wichtig, die Fäden längerfristig geführter Diskussionen in den eigenen Zusammenhängen aufzugreifen und durch die so angeregte Textproduktion eine gewisse Kontinuität zu erreichen und verschiedene Resultate öffentlich zu machen.

Thematisch lassen sich in dieser Ausgabe drei Schwerpunkte ausmachen: Es geht einerseits zentral um eine Reflexion auf die Gewalttätigkeit der Verhältnisse, in denen wir heute gezwungen sind zu leben und es geht andererseits um den gegenwärtigen Zustand der kritischen Theorie und um den Versuch, das Projekt der kritischen Theorie eigenständig fortzuführen. Nur zwei Texte, in denen es in einem Fall um den Begriff der Kulturindustrie und im anderen Fall um einen historischen Versuch einer immanenten Kritik der Kunst geht, greifen das Themenspektrum der bisherigen KSR-Ausgaben am ehesten auf. Darin wird deutlich, dass diese Ausgabe sich von den bisherigen unterscheidet. Der kunstgeschichtliche Rahmen – der zwar vorher schon nicht streng festgelegt, aber doch thematisch bestimmend war – wurde weitestgehend verlassen. Der Titel Kunst, Spektakel und Revolution ist insofern immer noch zutreffend, dass es um Kultur im weitesten Sinne, um eine Kritik der spektakulären Warengesellschaft und um einige revolutionstheoretische Überlegungen geht. Die Beiträge verbindet der Wille zur Erarbeitung einer umfassenden Kritik der Gegenwart und das Bewusstsein, dass man sich dabei kaum auf gegenwärtig vorhandene Theorieströmungen stützen kann, sondern sich auf das eigene selbsttätige Denken verlassen muss. Dass dabei auch recht unterschiedliche Positionen zusammen kommen, ist durch die andere Notwendigkeit gerechtfertigt, dass man seinem eigenen Denken stets auch misstrauen muss – insbesondere wenn man an der um sich greifenden Vereinzelung und Unverbindlichkeit immer mal wieder irre zu werden droht. Wir denken, dass die Zusammenstellung andererseits von selber zeigt, dass hier AutorInnen zusammengebracht wurden, die einiges gemeinsam haben. Dies ist eine Basis dafür, weiter zu machen – im Streit miteinander (im doppelten Sinne).

Wir danken den AutorInnen und den KünstlerInnen, die die Collagen zu dieser Ausgabe beigetragen haben.

Die nächste Ausgabe von Kunst, Spektakel und Revolution wird sich wieder am letzten Block der Veranstaltungsreihe orientieren und widmet sich dem Thema „Dunkelheit und Schwarz in der Kultur“. Infos über die Veranstaltungs- und Publikationstätigkeit findet ihr unter: spektakel.blogsport.de