Das Leben ändern – Die Welt verändern

Im Sommer 2018 findet die Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution zum siebten mal in der ACC Galerie Weimar statt. Der diesjährige Themenblock steht unter dem Titel »Das Leben ändern – Die Welt verändern«. Die Veranstaltungen beschäftigen sich mit den Ereignissen vor, während und nach dem Jahr 1968.

Das Jahr 2018 wird ein Jahr des Rückblicks sein: Vor fünfzig Jahren probten Student_innen und junge Proletarier_innen den Aufstand. Im Jubiläumsjahr sind sich dabei alle in einer Sache einig: 1968 markiert einen Punkt, an dem tiefgreifende Veränderungen eingesetzt haben, die die gesellschaftlichen Verhältnisse bis heute prägen. In der Deutung des Bruchs von 1968 herrschen zwei Erzählungen vor: Es handelte sich einerseits um einen Generationskonflikt und andererseits um eine Veränderung, die vor allem im Bereich der Kultur stattgefunden hat. So richtig es ist, dass auch das Verhältnis der Generationen und die Sphäre der Kultur von der Revolte ergriffen waren, so sehr geht man fehl, wenn man 1968 auf diese Aspekte reduziert. So eignet sich die Erzählung vom Generationskonflikt vor allem dazu, die Geschichte dieses Bruchs zu entpolitisieren, verharmlosend in die eigene, vom nationalen Rahmen gefärbte Jugenderinnerung zu integrieren und das Tiefgreifende dieser Erschütterung zu verdrängen. Die Geschichte von der kulturellen Erneuerung hilft andererseits über die Niederlage der politischen Linken hinwegzutrösten, die darin besteht, dass der Kampf um die Aneignung der eigenen Lebensbedingungen illusorisch in den Bereich der Kultur verschoben wurde. Demgegenüber gilt es zu betonen, dass 1968 ein welthistorisches Ereignis gewesen ist – der Aufstand fand auf dem ganzen Globus statt und wurde nur in Zentraleuropa vor allem von Student_innen getragen. 1968 markiert nicht unwesentlich einen Punkt von tiefgreifenden ökonomischen Verschiebungen, in denen sich auch die Klassenverhältnisse neu zusammensetzten. Trotzdem will sich die Reihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ dem Bruch von ’68 annähern, in dem Fragen von Kultur und Generation angegangen werden. Die Zeit der Jugend hat sich erst in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg zu einem eigenständigen Lebensabschnitt verallgemeinert, der dann eine immer größere Bedeutung bekommt. Die damit verbundenen Konflikte verweisen auf die Gesellschaft als Ganze: Arbeit, Freizeit, Reproduktion, Sphärentrennung, Autorität, Lebensstil und -planung, Geschlechterverhältnisse, usw. Dabei wird 1968 ein Angelpunkt der Auseinandersetzung sein, ohne sich auf die Ereignisse dieses Jahres zu beschränken – 1968 wird nur verstehbar, wenn man seine Vorgeschichte erzählt und auch die späteren (oft untergründigen) Auswirkungen nachverfolgt.

Die Reihe ist eine Kooperation der ACC Galerie Weimar mit dem Bildungskollektiv BiKo e.V. und wird gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.