Kunst, Spektakel & Revolution entstand im Jahr 2009 als Format einer Veranstaltungsreihe, die sich mit dem Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaftskritik, von Revolutions- und Kunstgeschichte auseinandersetzt. KSR ist außerdem der Titel einer gleichnamigen Broschüren-Reihe, in der die Veranstaltungen der Reihe dokumentiert und zusätzliche Texte publiziert werden. KSR ist Teil des Veranstaltungsprogramms des Bildungskollektivs – die Vorträge der Reihe finden in der Regel in der ACC-Galerie in Weimar statt. Die KSR-Broschüren erscheinen im Katzenbergverlag.

Einen Überblick über die bisherigen Veranstaltungen der Reihe sowie den aktuellsten Themenblock findet ihr unter Programm. Unter Material werden ergänzende Literaturhinweise und Links zusammengestellt. Einen Überblick über unsere bisherigen Publikationen sowie eine Vorschau auf die jeweils kommende Broschüre findet sich hier. Ergänzende Texte, die nicht in unseren Broschüren enthalten sind, sind in der Rubrik Text zusammengestellt. Unter Radio stehen die Audiomitschnitte der Vorträge sowie ergänzende Interviews und Radiosendungen zur Verfügung. Hier könnt ihr Kontakt zu uns aufnehmen und Broschüren bestellen.


Über Meutereibestrebungen
in der Musik

Kunst, Spektakel & Revolution #10 – April bis Juli 2021

Die Musik ist die abstrakteste der Künste, denn in ihrer entwickelten Form hat sie sich vom Text emanzipiert. Gleichzeitig ist sie höchstes geistiges Prinzip und die Lehre der Komposition ist eng mit begrifflicher Arbeit verbunden. Da Musik jenseits der Verstandessprache funktioniert, setzt sie am Gefühl an. Sie ist aber nicht Gefühlsunmittelbarkeit, sondern Prinzip der Konstruktion – sie kombiniert Erfahrungen des sinnlichen Gedächtnis und arrangiert sie neu. Am intensivsten lässt sich daher an der Musik nachvollziehen, was die Künste überhaupt bestimmt: die Suche nach einem guten Verhältnis von Vernunft und Sinnlichkeit. In der musikalischen Sphäre soll gelingen, was in den bestehenden Verhältnissen nicht möglich scheint, in denen Vernunft (Verstand) und Sinnlichkeit auseinanderfallen. Im Bezug auf das Politische hat sich diese Suche in Widersprüchen vollzogen – bekannt ist, dass sich auf deutschem Boden keine politische Revolution, wohl aber mehrere musikalische vollzogen haben. Jenseits einer Wirksamkeit im alltäglichen Leben muss aber auch der kunstfertigste Revolutionsversuch an seine Grenze stoßen und so zerfranst auch die Musik am Ende der bürgerlichen Gesellschaft. An diesen Fransen wird auch das Verhältnis der Musik zum Politischen wie der künstlerischen Gattungen zueinander neu verhandelt. Die Veranstaltungsreihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ will im Jahr 2021 einige Beispiele dieser Geschichte herausgreifen und diskutieren.

Die Reihe ist eine Kooperation der ACC Galerie Weimar mit dem Bildungskollektiv BiKo e.V. und wird gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.

    zum Programm


Kunst, Spektakel & Revolution

KSR versteht sich vorwiegend als selbstorganisiertes historisches Forschungsprogramm jenseits der Akademie – will in diesem Sinne aber beitragen zu einer kritischen Beleuchtung der Gegenwart. Im Zentrum steht dabei eine Auseinandersetzung mit dem ästhetischen Strang der wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt – des Kommunismus. Eine parteiliche, dezidiert kommunistische Hinwendung zur Ästhetik interessiert sich dabei keineswegs einfach nur für politische Kunst – die politische Intention der Künstlerin versperrt oftmals sogar den Blick auf den Gegenstand, der für uns interessant sind: Eine Bewegung, die oftmals unterhalb der bekannten Geschichte verläuft und sich in untergründigen Verbindungen Bahn bricht. Diese Verbindungen fanden und finden oft jenseits der bekannten Gruppierungen statt, richten sich immer wieder gegen den Schematismus der Polit- und Künstlerkreise und sind häufig nur in einer kleinteiligen Hinwendung zu Material und Form herauszuarbeiten. Gegenstand unserer Forschungen und Vorträge ist die Poesie in einem erweiterten Sinne: als der Versuch der sinnlichen Kommunikation über das wirklich Erlebte, als potentielle Einheit von Begriff und Erfahrung, von Vernunft und Sinnlichkeit. Diese Vereinigungsbewegung ist einer menschlichen Emanzipation verpflichtet und wird vom herrschenden Kunstbetrieb immer wieder begrenzt, eingehegt, musealisiert, entschärft. Trotz des Misstrauens gegenüber politischem Inhaltismus (oder auch: Formalismus) interessieren uns jene Momente der Kunstgeschichte, in denen Kunst politisch wurde – insbesondere wenn ästhetische und revolutionäre Bewegungen ineinander übergriffen. Aus diesem Grund kreisen unsere Forschungen immer wieder um die historischen Avantgarde-Bewegungen – sie sind aber keineswegs auf diesen engeren Abschnitt der Kunstgeschichte festgelegt. Theoretische Vorlagen sind die ästhetisch-philosophischen Texte von Adorno, Horkheimer, Lukács, Benjamin, Bloch und Marcuse; die Texte der Situationistischen Internationale und der Neuen Linken; sowie die kritisch-feministischen Arbeiten von Silvia Bowenschen. Eine ernsthafte Forschung findet aber jenseits des Kanons statt – sei es jenem der Akademie, sei es jenem der kritischen-Theorie-Szene. Letztlich sind kein Bezug und kein Gegenstand zu randständig, wenn sie der Erkenntnis dienlich sind. Unsere Forschungen finden vorwiegend auf einer theoretischen Ebene statt – sollen aber verstanden werden als Vorbereitung einer künftigen praktischen, bestenfalls revolutionären Betätigung.

KSR-Veranstaltungsraum in der ACC-Galerie

Eine weitergehende Darstellung der Intention von KSR findet sich in einem ausführlichen Interview aus dem Jahr 2014, geführt von Club Communism: hier. Eine zusammenfassende Darstellung der Inhalte von KSR wurde außerdem in Form eines Interviews bei der Release-Veranstaltung zur vierten KSR-Broschur gegeben: hier (ganz unten). Gesonderte Ankündigungen zu den KSR-Themenblöcken 2009, 2012 und 2013/14 findet ihr im rechtsstehenden Menü.