Kunst, Spektakel & Revolution entstand im Jahr 2009 als Format einer Veranstaltungsreihe, die sich mit dem Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaftskritik, von Revolutions- und Kunstgeschichte auseinandersetzt. KSR ist außerdem der Titel einer gleichnamigen Broschüren-Reihe, in der die Veranstaltungen der Reihe dokumentiert und zusätzliche Texte publiziert werden. KSR ist Teil des Veranstaltungsprogramms des Bildungskollektivs – die Vorträge der Reihe finden in der Regel in der ACC-Galerie in Weimar statt. Die KSR-Broschüren erscheinen im Katzenbergverlag.

Einen Überblick über die bisherigen Veranstaltungen der Reihe sowie den aktuellsten Themenblock findet ihr unter Programm. Unter Material werden ergänzende Literaturhinweise und Links zusammengestellt. Einen Überblick über unsere bisherigen Publikationen sowie eine Vorschau auf die jeweils kommende Broschüre findet sich hier. Ergänzende Texte, die nicht in unseren Broschüren enthalten sind, sind in der Rubrik Text zusammengestellt. Unter Radio stehen die Audiomitschnitte der Vorträge sowie ergänzende Interviews und Radiosendungen zur Verfügung. Hier könnt ihr Kontakt zu uns aufnehmen und Broschüren bestellen.


Romanze mit der Revolution

Im Herbst 2017 findet die Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution zum sechsten mal in der ACC Galerie Weimar statt. Der diesjährige Themenblock steht unter dem Titel »Romanze mit der Revolution« – wie der gleichnamige Titel einer Ausstellung, die zur gleichen Zeit in der ACC Galerie zu sehen ist (Link).

Kunst und Revolution haben sich in der Geschichte immer wieder aneinander angenähert und gegenseitig angezogen – auch wenn diese Beziehung stets nur momenthaft, prekär und unsicher gewesen ist. Die Kunst hat allein deshalb eine gewisse Nähe zur Revolution, weil in ihrem Bereich das Realitätsprinzip der bürgerlichen Gesellschaften außer Kraft gesetzt sein soll – aus diesem Grund ist die Kunst der Revolution aber auch entrückt, weil ihr virtueller Charakter die Wirklichkeit unangetastet lässt, an die die RevolutionärInnen Hand anlegen wollen. Gerade aufgrund der Momenthaftigkeit dieser Beziehung lohnt sich eine Auseinandersetzung mit ihr – hier liegen Geschichtsstränge und Entwicklungsmöglichkeiten verschüttet, die etwas Unabgegoltenes an sich haben. An der Beziehung von Kunst und Revolution lässt sich gleichzeitg rekonstruieren, wie sehr Kunstgeschichte und gesellschaftliche Entwicklung miteinander verwoben sind – insbesondere anhand der widerspruchsvollen Beziehung zwischen der russischen Avantgarde und der Oktoberrevolution, die sich 2017 zum hundertsten mal jährt.

Die Reihe ist eine Kooperation der ACC Galerie Weimar mit dem Bildungskollektiv BiKo e.V. und wird gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.


Kunst, Spektakel & Revolution

KSR versteht sich vorwiegend als selbstorganisiertes historisches Forschungsprogramm jenseits der Akademie – will in diesem Sinne aber beitragen zu einer kritischen Beleuchtung der Gegenwart. Im Zentrum steht dabei eine Auseinandersetzung mit dem ästhetischen Strang der wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt – des Kommunismus. Eine parteiliche, dezidiert kommunistische Hinwendung zur Ästhetik interessiert sich dabei keineswegs einfach nur für politische Kunst – die politische Intention der Künstlerin versperrt oftmals sogar den Blick auf den Gegenstand, der für uns interessant sind: Eine Bewegung, die oftmals unterhalb der bekannten Geschichte verläuft und sich in untergründigen Verbindungen Bahn bricht. Diese Verbindungen fanden und finden oft jenseits der bekannten Gruppierungen statt, richten sich immer wieder gegen den Schematismus der Polit- und Künstlerkreise und sind häufig nur in einer kleinteiligen Hinwendung zu Material und Form herauszuarbeiten. Gegenstand unserer Forschungen und Vorträge ist die Poesie in einem erweiterten Sinne: als der Versuch der sinnlichen Kommunikation über das wirklich Erlebte, als potentielle Einheit von Begriff und Erfahrung, von Vernunft und Sinnlichkeit. Diese Vereinigungsbewegung ist einer menschlichen Emanzipation verpflichtet und wird vom herrschenden Kunstbetrieb immer wieder begrenzt, eingehegt, musealisiert, entschärft. Trotz des Misstrauens gegenüber politischem Inhaltismus (oder auch: Formalismus) interessieren uns jene Momente der Kunstgeschichte, in denen Kunst politisch wurde – insbesondere wenn ästhetische und revolutionäre Bewegungen ineinander übergriffen. Aus diesem Grund kreisen unsere Forschungen immer wieder um die historischen Avantgarde-Bewegungen – sie sind aber keineswegs auf diesen engeren Abschnitt der Kunstgeschichte festgelegt. Theoretische Vorlagen sind die ästhetisch-philosophischen Texte von Adorno, Horkheimer, Lukács, Benjamin, Bloch und Marcuse; die Texte der Situationistischen Internationale und der Neuen Linken; sowie die kritisch-feministischen Arbeiten von Silvia Bowenschen. Eine ernsthafte Forschung findet aber jenseits des Kanons statt – sei es jenem der Akademie, sei es jenem der kritischen-Theorie-Szene. Letztlich sind kein Bezug und kein Gegenstand zu randständig, wenn sie der Erkenntnis dienlich sind. Unsere Forschungen finden vorwiegend auf einer theoretischen Ebene statt – sollen aber verstanden werden als Vorbereitung einer künftigen praktischen, bestenfalls revolutionären Betätigung.

KSR-Veranstaltungsraum in der ACC-Galerie

Eine weitergehende Darstellung der Intention von KSR findet sich in einem ausführlichen Interview aus dem Jahr 2014, geführt von Club Communism: hier. Eine zusammenfassende Darstellung der Inhalte von KSR wurde außerdem in Form eines Interviews bei der Release-Veranstaltung zur vierten KSR-Broschur gegeben: hier (ganz unten). Gesonderte Ankündigungen zu den KSR-Themenblöcken 2009, 2012 und 2013/14 findet ihr im rechtsstehenden Menü.