Kunst, Spektakel & Revolution entstand im Jahr 2009 als Format einer Veranstaltungsreihe, die sich mit dem Verhältnis von Ästhetik und Gesellschaftskritik, von Revolutions- und Kunstgeschichte auseinandersetzt. KSR ist außerdem der Titel einer gleichnamigen Broschüren-Reihe, in der die Veranstaltungen der Reihe dokumentiert und zusätzliche Texte publiziert werden. KSR ist Teil des Veranstaltungsprogramms des Bildungskollektivs – die Vorträge der Reihe finden in der Regel in der ACC-Galerie in Weimar statt. Die KSR-Broschüren erscheinen im Katzenbergverlag.

Einen Überblick über die bisherigen Veranstaltungen der Reihe sowie den aktuellsten Themenblock findet ihr unter Programm. Unter Material werden ergänzende Literaturhinweise und Links zusammengestellt. Einen Überblick über unsere bisherigen Publikationen sowie eine Vorschau auf die jeweils kommende Broschüre findet sich hier. Ergänzende Texte, die nicht in unseren Broschüren enthalten sind, sind in der Rubrik Text zusammengestellt. Unter Radio stehen die Audiomitschnitte der Vorträge sowie ergänzende Interviews und Radiosendungen zur Verfügung. Hier könnt ihr Kontakt zu uns aufnehmen und Broschüren bestellen.


Das Leben ändern – Die Welt verändern

Im Sommer 2018 findet die Veranstaltungsreihe Kunst, Spektakel & Revolution zum siebten mal in der ACC Galerie Weimar statt. Der diesjährige Themenblock steht unter dem Titel »Das Leben ändern – Die Welt verändern«. Die Veranstaltungen beschäftigen sich mit den Ereignissen vor, während und nach dem Jahr 1968.

Das Jahr 2018 wird ein Jahr des Rückblicks sein: Vor fünfzig Jahren probten Student_innen und junge Proletarier_innen den Aufstand. Im Jubiläumsjahr sind sich dabei alle in einer Sache einig: 1968 markiert einen Punkt, an dem tiefgreifende Veränderungen eingesetzt haben, die die gesellschaftlichen Verhältnisse bis heute prägen. In der Deutung des Bruchs von 1968 herrschen zwei Erzählungen vor: Es handelte sich einerseits um einen Generationskonflikt und andererseits um eine Veränderung, die vor allem im Bereich der Kultur stattgefunden hat. So richtig es ist, dass auch das Verhältnis der Generationen und die Sphäre der Kultur von der Revolte ergriffen waren, so sehr geht man fehl, wenn man 1968 auf diese Aspekte reduziert. So eignet sich die Erzählung vom Generationskonflikt vor allem dazu, die Geschichte dieses Bruchs zu entpolitisieren, verharmlosend in die eigene, vom nationalen Rahmen gefärbte Jugenderinnerung zu integrieren und das Tiefgreifende dieser Erschütterung zu verdrängen. Die Geschichte von der kulturellen Erneuerung hilft andererseits über die Niederlage der politischen Linken hinwegzutrösten, die darin besteht, dass der Kampf um die Aneignung der eigenen Lebensbedingungen illusorisch in den Bereich der Kultur verschoben wurde. Demgegenüber gilt es zu betonen, dass 1968 ein welthistorisches Ereignis gewesen ist – der Aufstand fand auf dem ganzen Globus statt und wurde nur in Zentraleuropa vor allem von Student_innen getragen. 1968 markiert nicht unwesentlich einen Punkt von tiefgreifenden ökonomischen Verschiebungen, in denen sich auch die Klassenverhältnisse neu zusammensetzten. Trotzdem will sich die Reihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ dem Bruch von ’68 annähern, in dem Fragen von Kultur und Generation angegangen werden. Die Zeit der Jugend hat sich erst in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg zu einem eigenständigen Lebensabschnitt verallgemeinert, der dann eine immer größere Bedeutung bekommt. Die damit verbundenen Konflikte verweisen auf die Gesellschaft als Ganze: Arbeit, Freizeit, Reproduktion, Sphärentrennung, Autorität, Lebensstil und -planung, Geschlechterverhältnisse, usw. Dabei wird 1968 ein Angelpunkt der Auseinandersetzung sein, ohne sich auf die Ereignisse dieses Jahres zu beschränken – 1968 wird nur verstehbar, wenn man seine Vorgeschichte erzählt und auch die späteren (oft untergründigen) Auswirkungen nachverfolgt.

Die Reihe ist eine Kooperation der ACC Galerie Weimar mit dem Bildungskollektiv BiKo e.V. und wird gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.


Kunst, Spektakel & Revolution

KSR versteht sich vorwiegend als selbstorganisiertes historisches Forschungsprogramm jenseits der Akademie – will in diesem Sinne aber beitragen zu einer kritischen Beleuchtung der Gegenwart. Im Zentrum steht dabei eine Auseinandersetzung mit dem ästhetischen Strang der wirklichen Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt – des Kommunismus. Eine parteiliche, dezidiert kommunistische Hinwendung zur Ästhetik interessiert sich dabei keineswegs einfach nur für politische Kunst – die politische Intention der Künstlerin versperrt oftmals sogar den Blick auf den Gegenstand, der für uns interessant sind: Eine Bewegung, die oftmals unterhalb der bekannten Geschichte verläuft und sich in untergründigen Verbindungen Bahn bricht. Diese Verbindungen fanden und finden oft jenseits der bekannten Gruppierungen statt, richten sich immer wieder gegen den Schematismus der Polit- und Künstlerkreise und sind häufig nur in einer kleinteiligen Hinwendung zu Material und Form herauszuarbeiten. Gegenstand unserer Forschungen und Vorträge ist die Poesie in einem erweiterten Sinne: als der Versuch der sinnlichen Kommunikation über das wirklich Erlebte, als potentielle Einheit von Begriff und Erfahrung, von Vernunft und Sinnlichkeit. Diese Vereinigungsbewegung ist einer menschlichen Emanzipation verpflichtet und wird vom herrschenden Kunstbetrieb immer wieder begrenzt, eingehegt, musealisiert, entschärft. Trotz des Misstrauens gegenüber politischem Inhaltismus (oder auch: Formalismus) interessieren uns jene Momente der Kunstgeschichte, in denen Kunst politisch wurde – insbesondere wenn ästhetische und revolutionäre Bewegungen ineinander übergriffen. Aus diesem Grund kreisen unsere Forschungen immer wieder um die historischen Avantgarde-Bewegungen – sie sind aber keineswegs auf diesen engeren Abschnitt der Kunstgeschichte festgelegt. Theoretische Vorlagen sind die ästhetisch-philosophischen Texte von Adorno, Horkheimer, Lukács, Benjamin, Bloch und Marcuse; die Texte der Situationistischen Internationale und der Neuen Linken; sowie die kritisch-feministischen Arbeiten von Silvia Bowenschen. Eine ernsthafte Forschung findet aber jenseits des Kanons statt – sei es jenem der Akademie, sei es jenem der kritischen-Theorie-Szene. Letztlich sind kein Bezug und kein Gegenstand zu randständig, wenn sie der Erkenntnis dienlich sind. Unsere Forschungen finden vorwiegend auf einer theoretischen Ebene statt – sollen aber verstanden werden als Vorbereitung einer künftigen praktischen, bestenfalls revolutionären Betätigung.

KSR-Veranstaltungsraum in der ACC-Galerie

Eine weitergehende Darstellung der Intention von KSR findet sich in einem ausführlichen Interview aus dem Jahr 2014, geführt von Club Communism: hier. Eine zusammenfassende Darstellung der Inhalte von KSR wurde außerdem in Form eines Interviews bei der Release-Veranstaltung zur vierten KSR-Broschur gegeben: hier (ganz unten). Gesonderte Ankündigungen zu den KSR-Themenblöcken 2009, 2012 und 2013/14 findet ihr im rechtsstehenden Menü.