Archiv für Mai 2020

Die ersten Vorträge der diesjährigen KSR-Reihe können inzwischen hier nachgehört werden. Der Vortrag von Michaela Ott steht außerdem als Textversion zur Verfügung.

Michaela Ott: Revolutionsversuche in Gesellschaft und Kunst

Wir dokumentieren hier den Vortragstext von Michaela Ott, „Revolutionsversuche in Gesellschaft und Kunst: Anarchismus, Bauhaus, Dada“. Der Vortrag wurde am 07.05.2020 in der ACC Galerie Weimar gehalten (nachzuhören hier). Unter dem gleichen Titel hatte Michaela Ott bereits auf dem Symposion zum 100. Jahrestag des „deutschen Frühlings“ referiert. Wir stellen dem Vortragstext eine Liste mit Radiobeiträgen und Literaturhinweisen zum Thema voran:

Novemberrevolution

Gustav Landauer

Bauhaus

DADA

Literatur

Bernd Langer: Die Flamme der Revolution. Deutschland 1918/19, UNRAST Verlag 2018.

Richard Müller: Eine Geschichte der Novemberrevolution, Die Buchmacherei 2017.

Hans Manfred Bock: Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918 bis 1923, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1993. (online)

Bernd Hüttner, Georg Leidenberger (Hrsg.): 100 Jahre Bauhaus: Vielfalt, Konflikt und Wirkung, METROPOL 2019.

100 Jahre Revolutionsversuche in Gesellschaft und Kunst: Anarchismus, Bauhaus, Dada

Der Publizist Theodor Wollf schreibt im Berliner Tageblatt am 10.November 1918: „Die größte aller Revolutionen hat wie ein plötzlich losbrechender Sturmwind das kaiserliche Regime (…) gestürzt. Man kann sie die größte aller Revolutionen nennen, weil niemals eine so fest gebaute, mit so soliden Mauern umgebene Bastille so in einem Anlauf genommen worden ist. Es gab noch vor einer Woche einen militärischen und zivilen Verwaltungsapparat, der so verzweigt, so ineinander verfädelt, so tief eingewurzelt war, dass er über den Wechsel der Zeiten hinaus seine Herrschaft gesichert zu haben schien (…). Gestern Nachmittag existierte nichts mehr davon“ (Berliner Tageblatt, 10.11.1918, zit v. Wolfgang Niess: die Revolution von 1918/19, Berlin/Boston, 2013, 77).

1918 sind es bekanntlich zunächst Matrosen, Rüstungsarbeiter und Soldaten, die diese erste partiell gelingende deutsche Revolution in Gang setzen, wörtlich, Befehle verweigernd, sich zusammenrottend und in eine andere Richtung marschierend als angeordnet, von verschiedenen Werften aus, in verschiedenen Städten, in unterschiedlicher Gesinnung, zunächst im Widerstand gegen die Fortsetzung des Kriegs, in zwangsläufiger Verweigerung der Befehle von Kaiser und Militärs, in noch undeutlichem Wissen darum, was da wie nicht weitergehen kann. Die Gesamtbewegung erfolgt, das lässt sich im Nachhinein gut rekonstruieren, als überraschend rasanter Affizierungsprozess: Die Revolution der Kieler Matrosen greift auf Hamburg über, wo ebenfalls Matrosen in den Streik treten und die Bewegung um sich greift. In Köln stellen sich die beiden sozialistischen Parteien, die Mehrheitssozialisten und USPD, gemeinsam an ihre Spitze. In München versammeln sich Massen zu einer Demonstration für den Frieden auf der Theresienwiese. Der Journalist und führende Sozialist Kurt Eisner fordert als erster den Rücktritt des Kaisers und die demokratische Umwälzung des Militär- und Staatsapparats, soziale Reformen und die Einsetzung von Arbeiter- und Soldatenräten nach dem russischen Modell; es gelingt ihm, die Soldaten auf seine Seite zu ziehen. In der Nacht vom 8. November 1918 ruft Eisner, noch vor Scheidemann und Liebknecht in Berlin, den Freistaat Bayern aus und erklärte König Ludwig III., das Wittelsbacher Königshaus für abgesetzt. Von der Versammlung der Arbeiter- und Soldatenräte wird er zum bayrischen Ministerpräsidenten gewählt. Die USPD erleidet jedoch bei der Landtagswahl Anfang 1919 eine schwere Niederlage und erhält nur 2,5 Prozent der Stimmen. Auf dem Weg zur konstituierenden Sitzung des Landtags, auf der er seinen Rücktritt bekannt geben möchte, wird er von Anton Graf von Arco auf Valley ermordet. (mehr…)

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