Archiv für Juni 2016

Theater – Realität – Realismus

Kommunismus ist, wenn Shakespeare verstanden wird.
[Peter Hacks]

Am 22. und 23. Juli 2016 werden in Berlin Anhänger von Peter Hacks und Heiner Müller aufeinandertreffen. Gemeinsamer Bezugspunkt wird dabei der Dramatiker Bertolt Brecht sein und es wird gestritten werden über die Frage, was ein realistisches Theater sein könnte. Es wird dabei kein gutes Haar am Gegenwartstheater bleiben – dafür könnte die DDR und ihr Theater eine Kontrastfolie bieten, um den Schmach der wiedervereinigten Gegenwart noch schmachvoller zu machen. Wir laden ein zur heiteren Diskussion:

Das Verhältnis von Theater und Politik wird gegenwärtig diskutiert. Soll sich Theater engagieren? Soll es reflektieren? Oder ist die Frage schon falsch gestellt? In den Widersprüchen des eigenen Engagements verfangen hat sich eine Idee des Theaters, die Authentizität und Partizipation als Schlüsselbegriffe neuer Ästhetik wie sozialer Praxis etabliert hat. Diese Form des Bühnenengagements verbleibt ästhetisch allzuoft im Reportagenhaften. Die reklamierte Innovation verbleibt auf der Ebene technischer Effekte. Können so wirklich neue Wirkungen erzielt werden? Und hat nicht die performative Wende des Theaters mit der performativen Wende in den kapitalistischen Zentren die Aktivierung der Arbeitskraft und ihrer kreativen Reserven gemeinsam? Eine Rückkehr zum bürgerlichen Ästhetizismus kann es nicht geben; die historische Erfahrung des 20. Jahrhunderts hat den schönen Schein der Kunst nicht unberührt gelassen. Die Frage allerdings lautet: Wie ist ästhetische Verbindlichkeit möglich? Der Begriff des Realismus, der in der Debatte um Kunst und Politik im 20. Jahrhundert eine zentrale Stellung einnahm, scheint am Beginn des 21. Jahrhunderts vergessen. Doch in letzter Zeit wird wieder über (neuen) Realismus diskutiert. Kann es einen Realismus geben, der nicht die Unterordnung der Kunst unter Politik meint, wie es die historisch erfolgte Ideologisierung des Begriffs nahelegen mag? Und wie könnte ein Realismus beschaffen sein, der als vielfältige Methode auf die Ermöglichung einer gemeinsamen Erfahrung der Realität durch Kunst zielt, also im Theater eine Haltung des Publikums zur Bühnenkunst ermöglicht, die als Erfahrung der Subjekte ebenfalls für politische Situationen verbindlich sein kann? Realismus ist ein dialektischer Begriff, der seine Spannung zwischen Kunst und Wirklichkeit unter Beachtung ihrer Gemeinsamkeiten und Unterschiede, ihrer vermittelten Wirkungen aufeinander, hat. Das Symposium »Theater Realität Realismus« widmet sich der Geschichte, der Gegenwart und dem Begriff des Realismus in Bezug auf das Theater. Die historischen Konstellationen des Begriffes sollen untersucht, seine gegenwärtige Bedeutung diskutiert und seine theoretischen Implikationen erörtert werden.

■ Datum: 22./23. Juĺi 2016
■ Ort: Institut für deutsche Literatur / Dorotheenstraße 24 (Berlin)
Link zum Programm

Interview mit Jakob Hayner (Mitorganisator des Symposiums)

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Weiterführende Informationen

Text zur Realismusdebatte in den 30′er Jahren (KSR#2)
Realismus! Online Magazin (Texte der Realism Working Group / FFM)