Archiv für April 2015

Über den Aufstand der Verse und Meutereibestrebungen in der Musik

Vortrag und Tagesseminar in Halle a.d. Saale

Kunst, Spektakel und Revolution No.4
Heftvorstellung am 22.05.2015 – 18:00 Uhr

Ende des letzten Jahres ist die vierte Ausgabe der Broschüren-Reihe „Kunst, Spektakel & Revolution“ erschienen. Das Heft steht unter dem Titel „Die Verwirklichung der Poesie“ und enthält 14 Texte zur Dichtkunst des 19. Jahrhunderts und ihrem Verhältnis zur Revolution. Am Abend soll das Heft vorgestellt, ein Blick hineingeworfen und ein paar Worte zum Titel verloren werden.

Ein Riss ist in der Welt
Vortrag von Jörg Finkenberger – 19:00 Uhr

Was man moderne Kunst nennen kann, beginnt mit der Romantik und ist untrennbar mit der Geschichte der Revolution verbunden. Sie ist Teil und Ergebnis dieser Geschichte. Die Kunst der romantischen Avantgarden spiegelt das Scheitern aller bisherigen Revolutionsgeschichte; selbst wo, wie in Deutschland, Romantik und Revolution auseinanderfallen, verdankt die romantische Kunst der Revolution zuletzt die Energie ihres Antriebs; wo sie der gescheiterten Revolution treu bleibt, bezahlt die Avantgardekunst mit Einsamkeit und Marginalisierung. Die gewerbsmäßigen Deuter und Ideologen der Gegenrevolution haben leichtes Spiel mit dem zersprengten Heerhaufen, wenn dieser Antrieb und sein Schicksal unverstanden bleibt.

Dem versucht der Referent. entgegenzuwirken, indem er einigen Gedanken dieser Kunstavantgarden nachgeht, die sich von Schlegel und Hölderlin über Byron, Heine und Rimbaud bis zu Brecht nachweisen lassen: namentlich, wie der Titel des Vortrags andeutet, dem Gedanken eines Risses, der die Welt durchzieht. ­ „Die moderne Kunst ist so tot wie die Revolution, und bleibt lebendig nur in dem Sinne, dass sie uneingelöst geblieben ist; ansonsten ist sie Objekt der Betrachtung, von dessen Ausbeutung die Wissenschaft, das Kunsthandwerk und jede nur denkbare sonstige Ideologieproduktion leben können.“

Meutereibestrebungen in der Musik
Vortrag am 22.05.2015 – 20:00 Uhr

Über Geschmack läßt sich nicht streiten: Der eine hüpft halt lieber auf die Beatles der andere mag Trommel und Bass im primitiven Rythmus. Die eine mag den schrillen Klang von Dissonanzen, egal wie abgenutzt, die andere liebt einfache Dreiklangmelodien aus den 80ern, egal wie abgenutzt. Unterhaltungen über Musik sind folgerichtig unsinnig und noch schlimmer ist, wenn jemand versucht eine Platte zu rezensieren.

Der Vortrag soll dieser Auffassung entgegenwirken und bemüht dazu Arnold Schönberg. Es geht dabei um subjektive Möglichkeiten, durch Musik ansonsten verdrängte Regungen zu thematisieren und sei es nur die Ohren für einen Augenblick dazu zu verleiten, seltsame Dissonanzen zuzulassen, all die verdrängte Angst und das verdrängte Glück. Mehr noch wird es aber darum gehen, dass in der abendländischen Musik gesellschaftliche „Konflikte“ verhandelt werden, mit dem „Grundton als patriarchalichen Beherrscher“, „Diktator“ oder „Tyrann“, deren „Stellvertetern“ und „Satrapien“ und deren „Selbstständigkeitsgelüsten“ sowie überhaupt mit „Meuterreibestrebungen“ aller Nebenklänge. Allerdings auch meist mit der abschließenden Reaktion, bei der die „gewalttätige Natur der Emanzipationslüsternen“ durch mehr oder weniger grobe „Mittel“ gebändigt wird, „die der Hauptton aufzuwenden hat, sich seiner Herrschaft über sie zu bemächtigen“. Und so siegte bislang meist der Grundton. „Es kann aber auch anders kommen!“: Manchmal gelingt es nicht „die Neigungen der Nebenklänge zu unterdrücken“ und so „gelangt man leicht an jene Grenzen, wo die Anziehungskraft des Mittelpunktes schwächer ist, wo die Macht des Beherrschenden nachläßt und das Selbstbestimmungsrecht des Halbfreien unter gewissen Umständen Umwälzungen, Veränderungen in der Konstitution des ganzen Gebildes hervorrufen kann.“ Die nähere Betrachtung der Musik ergibt dann auch eine zunehmende Unterminierung der alten tonalen Welt des Grundtons und seines Systems, bis hin zu den ersten Versuchen in der ersten Hälfte des 20. Jhd. dieselbe wenigstens musikalisch zu überwinden. Danach brach diese objektive Musik weitgehend weg und machte der modernen Beliebigkeit und dem Geschmack platz.

Einführung in die abendländische Tonalität
Tagesseminar am 23.05.2015 – 12:00 Uhr

„Der Schüler lerne die Gesetze und Wirkungen der Tonalität so, als ob sie heute noch herrschend wären, aber er wisse von den Bewegungen, die zu ihrer Aufhebung führen. Er wisse, daß die Bedingungen zur Auflösung des Systems mitenthalten sind in den Bedingungen durch die es begründet ist.“ (Schönberg) Das Tagesseminar soll in diesem Sinne eine Einführung in die Tonalität versuchen. Dasselbe mit Unterstützung eines Klaviers und anhand von elementaren Begriffen, wie Tonleiter und deren Akkorde, Konsonanz und Dissonanz, Kadenz und Modulation. Allerdings eher improvisiert.

    Ort:
    Neues Format
    Geiststraße 42
    Halle a. d. Saale

Kunst, Spektakel & Revolution
Das Grosse Thier

Geigen in der Luft. Halle bleibt zart!