Verschiebung. Broschüre zum Verhältnis von Kunst und Gesellschaft #1

Release

    21.02.2015 – 19:00 Uhr, Lützner Straße 30, Leipzig

Am 21.02. tritt in Leipzig ein neues Magazin in die Öffentlichkeit. Es trägt den Titel „Verschiebungen“ und enthält neben einigen theoretisch-essayistischen Überlegungen zur Kunst auch literarische Texte, Gedichte, Fotografien und Zeichnungen. Auch eine exklusive Musik-Veröffentlichung nebst Interview zu selbiger ist darin enthalten. Ein ambitionierter Versuch, eine gesellschaftskritische Reflexion auf mehreren Ebenen anzustoßen.

Ausgang dieser Untersuchung ist, dass Kunst einerseits als Ware im Zeitalter der Kulturindustrie in Komplizenschaft mit den herrschenden Verhältnissen tritt, und zugleich als verkehrter und gebrochener Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse eine Lücke aufweist, in der verschüttete Potenziale und versagte Bedürfnisse ihren Ausdruck finden. In diesen Verschiebungen stehen der veränderte Status der Kunst und die Konstitution der Individuen in der Postmoderne, welche Kunst schaffen oder rezipieren, im Mittelpunkt. Beides bedarf einer genaueren Betrachtung, um zum einen feststellen zu können, welche gesellschaftlichen Antagonismen diese prägen und durchziehen, und zum anderen Rückschlüsse auf den derzeitigen Entwicklungsstand der Gesellschaft ziehen zu können, welche eine revolutionäre Praxis wieder in den Raum stellt und ermöglichen könnte.

Abendprogramm:

Lilli Helmbold (Hg.) stellt das Magazin vor und verliest das Editorial.

Lukas Holfeld referiert einige Thesen: Jede Ästhetik (und insbesondere die bürgerliche) ist mit der Frage nach einer besseren Einrichtung der Welt verbunden. Die Kunst konnte nur deshalb zu einer autonomen Sphäre innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft werden, weil die bürgerliche Klasse den Anspruch auf eine allgemein-menschliche Emanzipation verraten und stattdessen eine Herrschaft neuen Typs errichtet hat. Die Avantgarde-Bewegungen haben versucht den Widerspruch zwischen heroischer Kunst und unheroischer Wirklichkeit freizulegen und seine Sprengkraft zu entfalten. Ihr Vorhaben der Aufhebung der Kunst ist gescheitert, die Zerstörung der Grenze von Kunst und Alltagsleben hat sich in der Kulturindustrie jedoch mit negativem Vorzeichen verwirklicht. Zu diesem Komplex sollen einige Thesen vorgetragen werden.

Lena Haubner verliest einen Text, den sie zum Magazin beigesteuert hat: Der Fotograf James Nachtwey ist weltweit bekannt für seine Bilder aus Krisengebieten, in denen er die Auswirkungen von Krieg und Armut dokumentiert. Neben der Brisanz der erschütternden Abbildungen zeichnen sich seine Bilder dabei durch ein Höchstmaß an künstlerischer Präzision und Handfertigkeit aus. Bedeutet dieser Vorgang nicht letztendlich, das Leid anderer zu ästhetisieren? Die Darstellung menschlichen Leids in der Kunst stellt ein grundlegendes moralisches Problem der Moderne dar. Kann das Grausame mittels der Kunst angemessen dargestellt werden? Wird dabei nicht zwangsläufig die Würde der Opfer verletzt? Dürfen Bilder, die Schreckliches zeigen, schön sein? Und was bedeutet „angemessen“ in diesem Kontext überhaupt? Lena unternimmt in ihrem Text den Versuch, anhand von Beispielen von James Nachtwey, Arnold Schönberg und Steven Spielberg, einen Umgang für die Problematik der künstlerischen Darstellung von Leid zu finden – falls es einen solche überhaupt geben kann.

■ Die Band Songs for Pneumonia spielt eine Session – zu erwarten sind elektroakustische Klänge zwischen Noise, Sound, Jazz und Ambient.

■ DJ snazzy.grrrlzz legt Female Rap auf.

■ Zu sehen sein wird eine Ausstellung mit Fotografien von Lea Hopp und Helene Tornau sowie Gemälden von Maximilian Koch, die alle drei Illustrationen zum Magazin beigesteuert haben.