»Ein eigenes Zimmer hab‘ ich schon«

Teil 2 — Kunst, Künstlerinnen und Geschlecht

Workshop, veranstaltet von Kunst, Spektakel & Revolution zu Besuch in Leipzig — 13.--15.12.2013

Weiblichkeit und Kunst stehen in einem widersprüchlichen Verhältnis: Als Gegenstand oder Topos sind Frauen(-körper) in der Kunst omnipräsent, auch als Förderinnen und Rezipientinnen sind sie unverzichtbar. Als Schöpferinnen künstlerischer Werke jedoch, als Produzentinnen, standen und stehen sie vor Hindernissen und Widerständen. Genie „als das Talent (Naturgabe), welches der Kunst die Regel gibt“ (Kant), wird Künstlerinnen entweder abgesprochen oder ihre Arbeiten werden als Resultate eines ihnen fremden Willens wahrgenommen. Weder die Wandlung von der Genie- zur Werkästhetik, noch die Krise des Werks in den Avantgarden des 20. Jahrhunderts löst für die Künstlerinnen das Problem: „My most audacious works were viewed as if someone else inhabiting me had created them“, formulierte die amerikanische Performance-Künstlerin Carolee Schneeman 1963.

Im ersten Teil unseres Workshops haben wir uns gefragt, ob die Form der Kunst selbst geschlechtlich konnotiert ist und was daraus für Künstlerinnen folgt. Die Kunst erscheint autonom, losgelöst von Gesellschaft oder Geschlecht, aber in ihrem konkreten Erscheinen, sei es im Kunstwerk oder den Institutionen, wiederholt sich das Geschlechterverhältnis. Das autonome Genie wie die avantgardistische Künstlergruppe haben die Abspaltung des Weiblichen zur Voraussetzung, die immer wieder neu stattfindet.

Das Verhältnis von ästhetischer Form, autonomer Kunst und Geschlechterdifferenz verändert sich aber auch durch die Dialektik der Aufklärung hindurch. Dabei stehen Fortschritte und Erleichterungen für die Künstlerinnen neben Wiederholungen: Die größte Schwierigkeit, so Virginia Woolf über die Romanautorinnen des neunzehnten Jahrhunderts, bestand darin, „daß sie keine Tradition hinter sich hatten, oder eine so kurze und einseitige, daß sie kaum hilfreich war.“ (A Room Of One’s Own). Diese Beobachtung trifft immer noch zu. Jede fängt stets von Neuem an. Die Reflexion darauf in den Werken von Künstlerinnen steht für uns im Mittelpunkt, es geht um kunstimmanente und Kunst überschreitende Kunstkritik: Vor welchen Schwierigkeiten stehen die Künstlerinnen, gegen welche Wände müssen sie laufen, welche wollen sie einreißen?

Im zweiten Teil unseres Workshops wollen wir über Kunst und Geschlecht anhand von Beobachtungen zur Geschichte des (künstlerischen tätigen) Subjekts, anhand den Werken von Performance-Künstlerinnen (Moorman, Schneeman, Rainer, Hesse) und entlang der Werke von Schriftstellerinnen (Zwetajewa, Barnes, Bachmann, Legendre, Avallone) nachdenken. Wir präsentieren dabei, wie schon im ersten Teil des Workshops, keine fertigen Ergebnisse, sondern wollen in einer Mischung aus Vortrag, gemeinsamer Lektüre und Diskussion welche erarbeiten. Wir freuen uns auf eure Teilnahme.

Irene Lehmann, Karina Korecky, Marlene Pardeller, Lukas Holfeld, Katharina Zimemrhackl

  • Ort der Veranstaltung: »Die ganze Bäckerei«, Josephstraße 12, Leipzig (Lindenau) — Link
  • der Workshop beginnt am Freitag um 18:00 Uhr
  • wir bitten um eine kurze Anmeldung über das Kontaktformular
  • ein Reader mit Texten wird nach Anmeldung zugesandt
  • wir können gern Übernachtungsplätze in Leipzig organisieren – bitte nehmt dafür kurz Kontakt zu uns auf
Das Seminar wird gefördert von der Rosa Luxemburg Stiftung.