Archiv für April 2011

In der Kategorie Text ist soeben der Artikel „Fat is a feminist issue“ von Katja und Korinna erschienen. — Lesen

Fat is a feminist Issue

oder: ein guter Grund, Susie Orbach und die zweite Frauenbewegung in Ehren zu halten

[Eine materialistische Beschäftigung mit Sinnlichkeit muss eine Auseinandersetzung mit dem Körper – dem individuellen und gesellschaftlichen Körperverhältnis – sein. Da sich wiederum das Verhältnis zum eigenen Körper für Männer und Frauen in unserer Gesellschaft höchst unterschiedlich darstellt, muss eine ästhetisch-aisthetische Analyse des Körpers mit feministischer Gesellschaftskritik in Verbindung treten. Wir veröffentlichen daher an dieser Stelle, mit freundlicher Genehmigung der Autorinnen (die am 19.05.2011 im Rahmen der KSR-Reihe selbst referieren werden), den Artikel „FAT IS A FEMINIST ISSUE“, der ursprünglich in der zweiten Ausgabe der feministischen Zeitschrift „Outside the Box“ veröffentlicht wurde.]

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Das gesellschaftlich vorherrschende Schönheitsideal ist scheiße, darüber sind sich alle einig. Demzufolge dürfte es der näheren Betrachtung nicht – oder?
Bodies – Schlachtfelder der Schönheit, das neue Buch der Psychotherapeutin Susie Orbach, macht das Ausmaß deutlich, das der Körperfetisch gegenwärtig erreicht hat, und führt die Notwendigkeit vor Augen, eine Debatte darüber zu forcieren. Obwohl es sich in gesellschaftskritischen Kreisen um eine Binsenweisheit handelt, dass der Körper als Arbeits- und Freizeitobjekt eine wichtige Rolle im Vergesellschaftungsprozess innehat, stehen einem beim Lesen doch regelmäßig die Haare zu Berge: Die Hälfte der jungen Koreanerinnen unterzieht sich einer Augenoperation, die das Lid westlichen Standards anpasst; ein US-Amerikaner / eine US-Amerikanerin gibt durchschnittlich fast 2$ am Tag für Diätprodukte aus; und mit 160 Milliarden Dollar Jahresumsatz schaffte es die Schönheitsindustrie 2005 immerhin auf ein Drittel des Umsatzes der Stahlindustrie. Dieses wirtschaftliche Wachstum wäre an sich nicht sehr erstaunlich, hat das Kapital doch immer großen Erfindungsreichtum bewiesen, was die Erschaffung profitabler Konsumbedürfnisse angeht. Aber diese Entwicklung ist in einem besonderen Zusammenhang zu sehen: als Ausdruck einer Vermittlung des spätkapitalistischen Subjekts zu seinem Körper, die immer konfuser und bewusstloser anmutet. Deswegen möchten wir im Folgenden Orbachs Buch besprechen – um einige Aspekte daraus für eine linke, feministische Gesellschaftskritik fruchtbar zu machen sowie Lücken in der linken Debatte aufzuzeigen. (mehr…)