Archiv für November 2010

»Unsereiner Kriegsundfürerkinder«

Fr. 03.12.2010 – Heike Schmitz liest aus „Unsereiner Kriegsund- führerkinder“ – 20:00 Uhr, ACC Galerie Weimar – Eintritt: 2 € | erm. 1 €

In ihrem Roman „unsereiner Kriegsundführerkinder“ erzählt Heike Schmitz von einer Kontinuität des Nationalsozialismus, die als Haltung, Ich-Zurichtung, Wir-Halluzination und Trauma über die Generationen hinweg weiter gegeben wurde. Die Wiederkehr des Verdrängten äußert sich in diesem Roman, der weniger Erzählung, viel mehr Traumbild ist, in einer rasanten Geschwindigkeit der Sprache – es ist zum einen das leere Vorwärts des Wiederaufbaus, zum Anderen das plötzliche, blitzhafte Aufbrechen von Erinnerungen; eine traumartige Gleichzeitigkeit von Stillstand und Raserei: „Es bedurfte eines Erzähler-Ichs, das, alle Distanz preisgebend, die geahnte Kontinuität zwischen NS-Zeit und Nachkriegszeit verkörperte in einer halluzinatorisch an eine stillgestellte Gegenwart gebannten Gestalt, die sich restlos und bedingungslos mit der Bewegung identifizierte, in die ihre Eltern als Kinder hineingestellt worden waren, und die diese wie ihre Generationsgenossen bruchlos in die Zeit danach hinübergenommen hatten, so den Wiederaufbau meisternd, Erfolge auf Erfolge häufend, dabei letztlich ziellos handelnd – reine Bewegung des zerstörenden Wiederaufbaus und der aufbauenden Zerstörung“ (Peter Bürger).

Heike Schmitz ist zur Zeit Stipendiatin des Weimarer Friedrich-Nietzsche-Kollegs und arbeitet dort zu Elisabeth Förster-Nietzsche.

Im Radio ist nun der Mitschnitt des Vortrages von Peter Bürger „Über den Umgang mit den Avantgarde- bewegungen“ zum nachhören erschienen.

»Es rette uns die Kunst!?«

Zum Verhältnis von Kunst und Kritik zwischen Autonomie und Aufhebung – Vortrag von Lukas (BiKo) am Mittwoch dem 15.12.2010, um 20:00 Uhr
– [Achtung: die Veranstaltung findet nicht wie fälschlicherweise angekündigt um 20:00 Uhr statt, sondern bereits um 19:00 Uhr!] im Filler (Schillerstraße 44, Erfurt) – Auftaktveranstaltung zur Veranstaltungs- reihe „Kunst und Kritik“ der Falken Erfurt

Die jüngere kritische Soziologie (Boltanski, Schultheis etc.), die darum bemüht ist, die Bedingungen von Kritik neu zu reflektieren, konstatiert in der historischen Rekonstruktion gesellschaftskritischer Bewegungen einen Gegensatz: „Sozialkritik vs. Künstlerkritik“. Während die Künstlerkritik, aus einem Bohéme-Milieu stammend, selbst in der bürgerlichen Gesellschaft verankert ist, jedoch Lohnarbeit verachtet, zweckfreie Tätigkeit propagiert und auf das Individuum setzt, geht es der Sozialkritik um Arbeitskämpfe, kollektive Errungenschaften und materielle Absicherung und ihr erscheint die Individualität der Künstlerkritik als bürgerliches Privileg. So plausibel diese Beschreibung auf den ersten Blick sein mag – die Soziologen reproduzieren hier eine verkehrte Trennung, die in der Geschichte bereits mit den Avantgardebewegungen überwunden werden sollte. Im Vortrag soll nachverfolgt werden wie sich das Verhältnis von Kunst und Kritik darstellt, seitdem sich erstere in der bürgerlichen Gesellschaft als autonome Sphäre herausgebildet hatte. Wichtige Eckpunkte sollen dabei die historischen Avantgardebewegungen und der Geschichtsbruch Auschwitz sein, nachdem sich die Frage nach einer Aufhebung der Kunst völlig neu stellt.

Am 14.11.2010 wird um 18:00 Uhr auf Radio Corax (UKW 95.9 oder per stream) der Mitschnitt des Vortrags von Peter Bürger „Über den Umgang mit den Avantgardebewegungen“ gesendet. Die Sendung wird anschließend zum Nachhören hier zur Verfügung gestellt.